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letzte Aktualisierung
April 04. 2014 09:30:31

Heisterkapelle

Die St. Sebastianus-Kapelle auf dem Heister

Da die Bruderschaft im Jahre 1714 wieder aufgerich­tet wurde, kann ohne Zweifel behauptet werden, daß die Heisterkapelle ihre Entstehung diesem Anlaß verdankt.


Als „Mitstifter und führnemster Urheber der Capelle“ wird der Reichsfreiherr Hermann Georg Werner Ferdinand von Hatzfeldt genannt. Die Kapelle erbaute man im Jahre 1718.


Mit Genehmigung des Erzbischöflichen Ordinariats vom 27. November 1719 erscheint zur Einweihung ein eigenes für die Kapelle und Bruderschaft geschaffenes Gebetsbüchlein. Es enthält die Lebensbeschreibung des hl. Sebastianus und sein Martyrium, Litaneien und Anrufungen an diesen Heiligen und die Gottesmutter Maria. In Lied, Gebet und Anrufungen bitten die Gläubigen um Schutz vor Pest, der „gefährlichen Seug der rothen Ruhr“ und Pestilenz und Hungersnot.


Ein Bittgebet aus dem Büchlein lautet:
„Schau wie im Teutsch-Land überall/ groß Kriegs-Geschrey entstehet/ der Menschen Hauff fast ohne Zahl verdirbt und untergehet: Ach! Steh uns bey Freund Gottes Groß/ bey uns allzeit verbleibe/ mach uns von unseren Feinden los/ den Krieg von uns abtreibe.“


Am 24. 09. 1725 stiftete eine Lucia Catharina Langenbach aus Kappenstein im Kirchspiel Friesenhagen von Madrid aus den Kapellenfonds. Sie verpflichtete den Schützen-Caplan an der „St. Sebastianus-Cabell“ zwischen dem Pfarrdorf Wissen und dem „freiadligen Hauß Schönstein“, churkölnischer Herrschaft, mehrere Messen zum Seelenheil ihrer Vorfahren und anderer Mitmen­schen und schließlich für ihr eigenes Seelenheil zu feiern.


Seine tiefe Frömmigkeit beweist der Reichsfrei­herr v. Hatzfeldt, als er der Bruderschaft dieses Büchlein verehrt. Er hat sich bewusst mit der „Neugründung“ für ein wichtiges und organisier­tes Bindeglied in seinem katholischen Umland eingesetzt. Beispielhaft zeigt sich diese katholische Männerorganisation, die sich ja gewissen morali­schen Regeln unterzogen hat, durch ihre brüderliche Nächstenliebe in Form von Hilfeleistungen.

Reichsfreiherr v. Hatzfeldt hat sich bemüht und dies ganz im Sinne der Volksfrömmigkeit und den Absichten des großen Trient-Konzils (1566) einen Ablassbrief für die „newe fun­dierte Maria-Sebastianus-Capell und deren Bruderschaft Einverleibte allergnädigst concerdierte Privilegia, wie auch von Ihro Heiligkeit Clemens XI. allermildreichst durch eyffri­ge Ansuchung“ zu erwirken.


Dieser Ablassbrief enthält eine wichtige Forderung. Sie ist der Beweis dafür, daß mit der Stiftung der Heisterkapelle das Johannesfest in Zusammenhang zu bringen ist. Ein weiterer Ablassbrief wurde am 25. Mai 1756 von Papst Benedikt XIV. erlassen.


Die Johannesprozession selbst ist möglicherweise als Brandprozession entstanden. Als beim großen Brand von Wissen, am 17. September 1788, auch die Pfarrkirche in Flammen aufging, rettete Pfarrer Johannes Arnoldi unter größter Lebensgefahr die Monstranz mit dem Allerheiligsten und den übrigen geweihten Geräten aus der brennenden Kirche und brachte diese zur Heisterkapelle. Am darauffol­genden Sonntag hielt man dort einen feierlichen Gottesdienst und überführte das Allerheiligste anschließend in großer Prozession zur Schlosskapelle. Im folgenden Jahr wurde durch die Urkunde vom 24. April 1789 für die Heisterkapelle durch Papst Pius VI. der nachstehende „Ablaßbreve“ erteilt:

„Zum ewigen Vermächtniß. Auf die Vermehrung der Frömmigkeit der Gläubigen und die Heiligung der Seelen durch die himmlichen Schätze der Kirche mit frommer Liebe bedacht, gewähren wir gnädiglich im Herrn allen Christgläubigen beiderlei Geschlechts, so oft dieselben in jedem Jahre nach wahrer reumütiger Beichte und nach Empfang der hl. Kommunion die Kirche oder öffentliche Kapelle des hl. Maryrers Sebastianus bei Wissen, in der Kölner Diözese, am Feste der Geburt des hl. Johannes des Täufers von der ersten Vesper bis zum Sonnenuntergang des Tages andächtig besuchen und dort für die Eintracht der christlichen Fürsten, die Ausrottung der Irrlehren und die Erhöhung der hl. Mutter Kirche, fromme Gebete zu Gott ver­richten, einen vollkommenen Ablaß und Vergebung aller ihrer Sündenstrafen. Keine entgegenstehende Verfügung steht im Wege, und die Bewilligung dieses Ablasses soll für alle kommenden Zeiten Gültigkeit haben.


Gegeben zu Rom beim hl. Petrus unter dem Fischerringe im
15. Jahr unseres Pontifikates, den 24. April 1789.“

 

Durch eine Verordnung des Erzbischofs von Köln vom 20. Juni 1829 auf Antrag des Pfarrers Johannes Wendel von Wissen, wird dem Präses der Schützenbruderschaft – in dem Falle der zeitige Pfarrer von „Kreuzerhöhung“ Wissen ­gestattet, die Feier des Johannifestes am darauffolgenden Sonntag in der Heisterkapelle zu halten, wie es heute noch üblich ist.

Der als besonderer Förderer der Bruderschaft anzusehene „Director“, Reichsfreiherr v. Hatzfeldt, stiftete im Jahre 1723 die heute noch neben dem Altar stehende Holzstatue des hl. Johannes Nepomuk.


Die Kapelle wurde 1718 als einschiffiger Raum mit dreiseiti­gem Chor und in Eichenholz-Lehmfachwerk erbaut. Der geschieferte Dachreiter steht auf sechsseitigem Grundriss. Im Innern sind die Seitenwände mit je drei Wandpfeilern vorge­legt. Die rechteckigen Fenster in den Seiten- und Chorwänden wurden Ende des 19. Jahrhunderts neu herge­stellt. Im Westen, bis zur ersten Wandvorlage reichend, eine einfache Orgelempore mit Holzstützen, die bei der Restaurierung der Kapelle im Jahre 1977 erneuert wurden.

Auch der Sebastianus-Altar wurde bei der Restaurierung aus Anlaß des 575 jährigen Bestehens der Bruderschaft im Jahre 1977 in neuem Glanz wieder hergestellt. Die Arbeiten führ­te der Kunstmaler Roland Gassert aus Wachtberg-Kleinrillip aus.

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